Channa pleurophthalma - Das "blaue Schaf"

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Channa pleurophthalma - Das "blaue Schaf"
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Schlangenkopffische erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, alleine die Einfuhr und Entdeckung der neueren Arten wie Channa pulchra und Channa ornatipinnis brachten einige neue Pfleger in die Channa Gemeinde. Nicht zuletzt durch ihre, im Gegensatz zu anderen Räubern, leichte Nachzucht und ihr breites Verhaltensspektrum konnten sich Channas immer größerer Beliebtheit erfreuen.

Dennoch gibt es immernoch viele Geheimnisse und vor allem die wirklich gigantische Anzahl möglicher oder bereits beschriebener Arten in der Gattung Channa bringen Spannung in die Lager der Channa Freunde. Es gibt jedoch auch jene Channa, die zwar bereits lange bekannt sind, über die jedoch nicht viel bekannt ist. Dazu zählt allen voran Channa pleurophthalma. Nicht zuletzt, weil diese Art bereits in Schwimmverhalten und Körperbau eine sichtbare Abgrenzung zum "normalen Channa" bildet, auch sonst scheint diese Art völlig aus dem Rahmen zu fallen, eben das "schwarze" Schaf der Channas.

Im folgenden Artikel möchte ich meinen persönlichen Kenntnisstand mit allen positiven und negativen Erfahrungen zur Haltung dieses "blauen Revoluzzers" wiedergeben und versuchen den teils sehr verwunderlichen Beobachtungen einen Sinn zu geben. Dass diese Deutungen keinerlei Anspruch auf Richtigkeit haben, versteht sich von selbst. Jedoch kann ich nun auf eine lange Pflegezeit der Tiere zurückblicken und so die ein oder andere These zu Channa pleurophthalma aufstellen...


Aufgrund ihrer höheren Endgröße und der Tatsache, dass es noch keine Nachzuchten dieser Art gibt, haben Channa pleurophthalma es schwieriger sich bei Liebhabern zu etablieren. Hinzu kommen jene Spukgeschichten, die über einen plötzlichen Tod der Tiere erzählen. Natürlich schreckt so etwas potenzielle Halter enorm ab. Und bis dato gibt es immernoch erst einige Theorien, die meist per Mundpropaganda weitergetragen werden und teilweise auch mit Vorsicht zu genießen sind, denn nicht alles basiert auf eigene Erfahrungen. Und die halte ich bei dieser Channa Art für sehr wichtig.

Channa pleurophthalma können etwa 50cm erreichen. Sie haben im subadulten/adulten Alter auffällig schwarze Augenflecken mit gelblicher Umrandung, die in ihrer Anzahl stark schwanken können. Um die Besonderheiten (auf die ich natürlich gleich eingehen werde) verstehen zu können, schauen wir uns einmal die Informationen an, die es zum Fundort der Tiere gibt. Die derzeit einzig fundierte Channa-Website, Snakeheads.org schreibt dazu:

Das Verbreitungsgebiet von Channa pleurophthalma ist sehr beschränkt. Fundmeldungen gibt es lediglich aus Sumatra (Süd-Ost) und Borneo (West). Dort ist das Klima während des ganzen Jahres tropisch mit monatlichen Durchschnittstemperaturen von ca. 26 bis 28 °C. Detaillierte Berichte über Freilandbeobachtungen dieser Art liegen nicht vor, so dass sich das natürliche Verhalten nur aus der Aquarienhaltung herleiten lässt.

Der Fundort der Tiere sollen Schwarzwasserflüsse mit einem sehr niedrigen PH von 5,5 sein. Aber auch härteres Wasser soll gut vertragen werden, aber ist dem wirklich so? Immerhin ist doch sowieso schon so viel "anders" an diesen Schlangenköpfen. Wieso also auch nicht eine geringere Toleranz gegenüber den Wasserparametern? Die Tiere, die ich bisher gehalten habe, schwammen in Bochumer Leitungswasser (PH ca. 7) ohne Aufbereitung. Ein im Bundesdurchschnitt sehr weiches Wasser. Die Vorfälle von toten juvenilen Exemplaren sind deutschlandweit zu finden, auch bei mir. Die meisten Raubfischhalter halten nicht viel von konkreter Wassermessung, weshalb man zumeist von Wasserwerten ausgehen kann, wie sie im Ursprungswasser aus der Leitung zu finden sind.

Todesursache im juvenilen Alter ein Rätsel?

Da mir selbst jedoch keinerlei Beobachtungen zur Haltung in weicherem Wasser vorliegen, lässt sich der Ansatz des falschen Wasserparameters leider meinerseits nicht weiterführen. Zumal mir zugegebenermaßen die Tatsache, dass es sich um ausgesprochene Weichwasserfische in ihrer Heimat handeln soll, lange vorenthalten blieb. Dennoch bleibt falsches Wasser wohl eher eine wage Theorie, denn die erfolgreiche Pflege von Pleurophthalmas fand auch bei neutralem PH Wert statt.

Wo also ansetzen bei der Frage, weshalb Tiere bis ca. 20cm plötzlich sterben. Praktisch ist, dass durch diese Kernfrage gekennzeichnet und den daraus folgenden Theorien ein roter Faden den Artikel durchzieht, denn einzelne Theorien zeigen teils auch die Besonderheiten dieser Art auf. So lautet die erste:


Haltung bei falsche Temperatur

Die Temperatur scheint eine sehr seltsame Rolle bei diesen Tieren zu spielen. Als (Noch) Laie ist mir die Bedeutung leider schleierhaft und ich möchte daher keine konreten Theorien aufstellen, wie es dazu kommt, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Farbintensität in direkter Verbindung mit der Temperatur steht:

Je wärmer das Wasser, desto intensiver ist die Blaufärbung. Einen ähnlichen Effekt habe ich bisher bei keinem anderen Fisch gesehen, es sei denn, man hat ihn deutlich zu kühl gehalten und er dadurch eine Stressfärbung gezeigt hat. Von einer Stressfärbung kann man bei Pleurophthalma aber vermutlich nicht ausgehen, denn ihr weiteres Verhalten ist bei der niedrigeren Temperatur normal. Dennoch sollte diese Farbanpassung durch Wärme (das ist es letztlich) einen biologischen Sinn haben. Bloß welchen? Und verheißt nun die intensivere Blaufärbung bei hohen Temperaturen ein höheres Wohlergehen der Tiere? Auch das ist zweifelhaft. Wie wir erfahren haben, kommen die Tiere im tropischen Borneo vor. Auch dort werden sicherlich die Wassertemperaturen nicht viel mehr wie 28°C betragen. Hinzu kommt, dass anders als andere Channa Pleurophthalma Dauer- und Freischwimmer sind. Ihr natürliches Habitat können folglich keine Restwasserpfützen, wie bei anderen Channa Arten sein. Es sollte sich um ausgesprochene Flussbewohner handeln, die in ganzjährig wasserführenden Flussläufen leben. Da sie zudem in tropischen Breiten vorkommen, ist eine große Temperaturschwankung im Wasser unwahrscheinlich und die Höchsttemperatur wird nicht so stark ansteigen, wie bei Restwassertümpeln. Mit einer ganzjährigen Temperatur von 26-28°C sollte man daher einigermaßen richtig liegen.

Dazu sei außerdem noch gesagt: Die Todesfälle kamen sowohl in wärmeren Becken, als auch in "kühleren" (wenn man 25°C kühl nennen kann...) vor. Channa pleurophthalma beglücken uns also mit einer solch außergewöhnlichen Erscheinung, aber als Ursache für Todesfälle ist es eher unwahrscheinlich...

Kommen wir daher nun zu einem oft sehr ausschlaggebenden Punkt:


Die Frage nach der Fütterung

Eines ist an Pleurophthalma ebenfalls bemerkenswert. Ihr rudelartiges Verhalten bei der Jagd. Die Tiere lieben Fische, fressen jedoch auch Insekten. Dennoch kann man sie eher als freischwimmenden Räuber ähnlich wie z.B. Hydrocynus betrachten. Aufgrund der fehlenden Freilandbeobachtungen fällt daher hier auch eine exakte Einordnung in die Nahrungskette schwierig. Die Vermutung des "offen" schwimmenden Raubfisches hat sich lediglich durch Aquarienbeobachtungen gefestigt. Eine Detailanalyse, was die Tiere in der Natur alles erbeuten, wäre jedoch mehr als aufschlussreich. Abschließend lässt sich die Frage daher nur schwer klären, ob vielleicht eine fehlerhafte Fütterung Todesursache sein kann. Der Körperbau und das gesamte Verhalten der Tiere lässt jedoch den Fischräuber stark herausstechen und eine rein insectivore Ernährung gilt als sehr unwahrscheinlich.

Wie wir wissen sterben vorrangig juvenile Tiere. Dieses Stadium ist in Sachen Fütterung ein verhältnismäßig wichtiges und könnte dann ab ca. 15cm mögliche negative Auswirkungen zeigen. Aber die Tiere sterben meist sogar viel kleiner, selbst mit 8cm, wobei sie gerade mal 2 in Gefangenschaft zugelegt haben. Die möglicherweise falsche Ernährung müsste daher wohl derart gravierend sein, dass sie sich unmittelbar auf den Fisch auswirkt. Ich gehe nicht davon aus, dass die erfahrenen Aquarianer, die Pleurophthalma gehalten haben solche Fehler machen würden. Sicherlich müssen wir berücksichtigen, dass gewiss nicht alle Tiere, die im juvenilen Alter sterben, es aus dem selben Grund tun! Dennoch weise ich hier noch einmal auf die ungewöhnlich hohe Sterblichkeitsrate und vor allem dem häufigen "Tod ohne jegliche Ursache" hin, der bei diesen Tieren immer über der bisher erfolgreichen Pflege umherschwirrt.

Wichtig bei der Ernährung der Tiere spielt auch die Menge des Futters. So soll z.B. von Brachyplatystoma tigrinum eine Verbindung zur Überfettung und "plötzlichem Austicken" vorhanden sein. Und hier meinen es manche Aquarianer leider zu gut und überfüttern ihre Pfleglinge mit allerlei Leckerbissen. Ich habe meine Tiere allesamt sehr human gefüttert und sie nicht überfressen lassen. Andererseits wäre auch zu wenig Futter denkbar, wie wir es von Himantura oxyrhynchus kennen, die ganztägig ihr Futter benötigen und sehr schnell verhungern können, ohne das man dies bemerkt. Jedoch gehe ich nicht davon aus, dass diese Sonderfälle miteinander zu vergleichen sind, außer der Tatsache, dass beide in etwa das Herkunftsland haben. Aber wohl nicht das selbe Biotop teilen!

Schlussendlich bleibt es eine eher wage Theorie, die in Richtung "unwahrscheinlich" geht.

Schauen wir nun noch einmal konkret, was auf den 1. Blick C. pleurophthalma von anderen Channas unterscheidet. Eine freischwimmende, meist dauerhafte Schwimmweise, ein Körperbau der sichtbar nicht mehr bodenorientiert ist, folglich die Tiere zu Freischwimmern gemacht hat. Dadurch ist der Energieverbrauch dieser Tiere vermutlich höher als derer, die die meiste Zeit als Lauerräuber im Dickicht verbringen oder wenig schwimmen, also fast alle anderen Channa. Was mich auf eine sehr wage, aber konsequente Theorie bringt:

Erhöhter Sauerstoffverbrauch aufgrund differenzierter/weiterer Entwicklung


Dazu folgende Geschichte: Vier mind. 18cm große Channa pleurophthalma in einem 15l Eimer, der mit etwa 3l Wasser befüllt war. Gerade etwas mehr, als das die Channas bedeckt waren. Für einen stolzen Besitzers eines Labyrinthorgans dürfte es doch in Ordnung sein die 12l Luft zu atmen?

Nein, die Tiere kamen in völlig desaströsen Zustand nach nur ein paar Stündchen an, alle mit dem Bauch nach oben schwimmend. Zuerst hielt ich sie natürlich für tot, doch kamen sie in einen stark Sauerstoff durchfluteten Bottich und schwammen nach einiger Zeit wieder völlig normal.

Ins Aquarium eingesetzt machten sie fast alle einen guten Eindruck, der erste lag jedoch am nächsten Tag tot im Becken. Zwei weitere erlitten durch diesen Vorfall einen Schaden, wodurch sie u.a. nicht mehr schwimmen konnten und sogar sichtbare Verkrümmungen(?) entstanden. Den ersten erlöste ich, nachdem er noch fast ein Jahr später rötliche Stellen zeigte. Der zweite "Krüppel" konnte etwas mehr schwimmen, verstarb in meinem großen Becken nach fast 2 Jahren dann jedoch plötzlich über Nacht. (deja vu?)

Sicherlich, war es schwierig dies zu überleben. Aber sind andere Channas nicht viel, viel brenzligeren Situationen entgangen? Immerhin können sie doch atmosphärische Luft atmen. Die Channas schnappten im Bottich so gut wie gar keine Luft, sie hatten aber den Sauerstoffstein. Sollte gar das Labyrinthorgang bei den Tieren zurückentwickelt sein? Dient es nur noch zur Atmungsunterstützung und beziehen sie fast nue noch Sauerstoffes aus dem Wasser, über ihre Kiemen? Aufjedenfall mussten meine Tiere einen immensen Sauerstoffmangel ausgesetzt sein, der auch zu den Organschäden (vermutlich der Schwimmblase) geführt haben muss.

Gehen wir nun ein Stück weiter... Unter welchen Bedingungen starben meine juvenilen Tiere? Nachts in einem bepflanzten Becken mit wenig Strömung, eher weniger Sauerstoff. Nachts ziehen Pflanzen auch noch etwas an Sauerstoff aus dem Wasser, richtig? Der Sauerstoffgehalt könnte also zu diesem Zeitpunkt relativ niedrig gewesen sein. Die weiteren pleurophthalma hielt ich jedoch immer in sehr sauerstoffreichen Becken mit mehr Strömunung. Nun kommt die Frage der Fragen:

Kann ein Channa, der noch dazu ein Labyrinthorgan besitzt, so sauerstoffempfindlich sein? Zumindestens reden wir hier über juvenile Tiere bis max. 20cm, die starben. Danach zerbersten die Todesfälle, es sind kaum mehr welche bekannt, die als "plötzlicher Tod" eingeordnet werden könnten.

Wir müssten also davon ausgehen, dass junge pleurophthalma mehr Sauerstoff benötigen würden, als adulte. Soweit so gut, nun verliert sich leider auch schon der rote Faden einer möglichen Auflösung, denn auch wenn diese Theorie richtig wäre, ließe sich das mit meinen Mitteln nicht ohne weiteres herrausfinden. Es müsste festgestellt werden, ob:

  • Channa pleurophthalma wirklich ein weiter zurückentwickeltes Labyrinthorgan besitzt
  • vielleicht juvenile Tiere in noch sauerstoffreicheren Gewässern leben, vielleicht ja sogar klaren Bächen?

Beide Fragen lassen sich nur durch wissenschaftliche Erkentnisse oder Freilandbeobachtungen beantworten.

Diese Erfahrungen mit dem Hintergrund, dass mögl. Weise Energie/Sauerstoffverbrauch höher sein könnte, könnte diese Theorie durchaus überlegenswert machen. Dennoch müssten die Tiere dann immernoch einen überdurchschnittlich hohen Sauerstoffverbrauch haben, denn andere Beckeninsassen überlebten.

Eine letzte und knappe Möglichkeit wäre:

Die Frage nach der Strömung


Nunja, auch hier wären Beobachtungen wilder Tiere bzw deren Lebensraum ein Muss. Zwar scheinen Pleurophthalma sehr gern eine stärkere Strömung zu mögen, aber ob dies als Todesursache möglich wäre? Sehr unwahrscheinlich...


Nach so vielen Fragen ohne konkrete Antworten, möchte ich nun noch einmal auf die Färbung bzw insb. die Beschuppung der Tiere eingehen. Wer schon einmal versucht hat ein ordentliches Foto der Tiere hinzubekommen wird eine Fotografie mit Blitz ausprobiert haben, doch danach die böse Überraschung! Die Tiere sehen auf dem Foto plötzlich so aus:

Die Tiere besitzen also auch noch eine Beschuppung, die nur unter bestimmten Lichteinfall Blau erscheint. Das abgebildete Tier ist übrigens das selbe wie oben, vergleichen Sie selbst! Eine Theorie hierzu wäre, dass Fische, die sich unterhalb der Tiere befinden, sie durch ihre tiefblaue Färbung nicht erkennen können. Doch wenn dem so wäre, müsste diese Fähigkeit extrem ausgeprägt sein, da es sich eben um eine außergewöhnliche Beschuppung handeln muss, die ich so von keinem anderen Süßwasserfisch kenne. Vielleicht wirken sie auch auf Entfernung durch die blaue Farbe derartig getarnt, dass sie mit immenser Geschwindigkeit (und die können sie aufbringen, wenn sie Beute sehen!) auf ihre ahnungslosen Opfer stoßen können? Nun müssen wir aber auch ihre Herkunft laut Snakeheads.org berücksichtigen - Schwarzwasser. Ein leuchtend blauer Fisch in teebraunem Wasser sollte eigentlich so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wie ein bunter Hund, dazu ein sehr einfacher Versuch:

Ein mit Schwarztee aufgebrühter kleiner Wasserbehälter simuliert das Wasser aus dem Herkunftsbiotop der Tiere. Ein blauer Plastikkreis einen der Channa:

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Was leider nur schmenhaft zu erkennen ist (ja, da ist es eine Zumutung etwas zu erkennen, sie könnens ja selber nachmachen ;-), aber in der Realität nach ein paar Versuchen deutlich wird:

Blau ist neben Schwarz im Teewasser eine der Farben, die schon nach ein paar cm fast unsichtbar werden. Selbst rostbraun erkennt man etwas besser, da blau sehr dunkel wird und die schwarzen Konturen nur noch schwer zu erkennen sind. Hingegen silbrig, graue oder gar weiß auch am Ende des Behälters noch einigermaßen zu erkennen sind. Die Farbe tiefschwarz kommt nur selten bei Süßwasserfischen vor (die Gründe hierfür sind mir persönlich nicht bekannt), blau hingegen ist recht häufig anzutreffen. Und diese blaue Färbung ist eine sehr gute Tarnung für einen Räuber, der schnell auf sein Opfer zukommt, da die Konturen erst sehr spät zu erkennen sind. Folglich müssen C. pleurophthalma selbst jedoch ausgezeichnet sehen können.

Die weiße Bauchunterseite der Tiere würden jedoch Fische unter ihnen wahrscheinlich wahrnehmen, da aufgrund des farbigen Wassers wohl die Verwechlungsmöglichkeit mit dem "über Wasser" geringer ist und weiß besonders in dem rötlichen Wasser sichtbar ist.

Die gelblichen Augenflecken der Tiere sind jedoch sehr gut zu sehen, was einen "Frontalangriff" sehr sinnvoll erscheinen lässt. Dennoch werden die Flecken aus der Ferne sicherlich auch die Neugier einiger anderer Fische erwecken, da sie den Fisch drum herum ja nur sehr schlecht erkennen können, weshalb sie letztlich neugierige Beute anlocken könnten. Andererseits sind sie durch die blaue Färbung von oben für Raubvögel o.ä. unsichtbar. Wir könnten nun ganz theoretisch an die Sache gehen und sagen, dass die Tiere ein intensiveres blau haben müssen, wenn sie weiter zur Wasseroberfläche schwimmen, um auch vor Fressfeinden aus der Luft oder am Land unsichtbar zu sein. Die oberen Wasserschichten sind immer wärmer.

Folglich: Schwimmt Channa oben, Channa wird blauer.

So einfach ists dann ja natürlich nicht. Denn die tiefblaue Farbe kommt nicht mal eben so. Es braucht schon Zeit, bis die Tiere sich langsam umfärben. Also kein Chamäleon... was also dann? Eine sehr vage, aber schlüssige Lösung ist folgende: (Vorsicht! Das ist alles reine THEORIE)

Das natürliche Biotop von Pleurophthalma ist recht starken jahreszeitlichen Schwankungen des Wasserpegels ausgesetzt. In der Regenzeit können die Tiere in tieferen Wasserschichten schwimmen, die evtl. ein paar geringfügige Grade kühler sind, als die Oberflächenschicht. Die Tiere benötigen keine intensive Färbung und halten sich weniger an der Wasseroberfläche auf. Wenn der Flusspegel tiefer steht, ist das Wasser natürlich flacher, dadurch durchschnittlich vielleicht jetzt geringfügig wärmer. Da die Tiere mit ihrem helleren blau nun mehr auffallen würden, werden sie nun tiefblau. Da die Tiere die direkte Wasseroberfläche weitgehend vermeiden, um eine bessere Tarnung in der Tiefe zu erreichen, könnten sie anders als andere Channa dann auch nicht mehr so auf ihr Labyrinthorgan angewiesen sein.

Aber wieso haben dann nicht andere Fische diese Fähigkeit? Das ließe sich vielleicht damit erklären, dass es sich um größere Gebiete mit Schwarzwasser handelt, als ein kleines Urwaldpfützchen, dass nur eine geringe Tiefe aufweist. Also ein vielleicht recht einzigartiges Biotop, was diesen Channas eben auch ihre Einzigartigkeit verliehen haben könnte.

Auch wenn diese Ideen an sich schlüssig scheinen bleiben weitere Fragen, die ich nicht mehr klären kann:

  • Wozu dann der "Blitz" Effekt? Ist es vielleicht einfach ein ungewollter(!) Nebeneffekt, der durch die Farbanpassung an die Temperatur entstand?
  • Haben diese 50cm großen Fische wirklich in ihrer Heimat solche Fressfeinde, dass einen derartigen Schutz notwendig macht?
  • Wie sehen die natürlichen Beifische im Biotop aus?

Die wichtigste Frage, die sich jedoch stellt ist:

Wieso bleiben die Tiere nicht sofort tiefblau? Und vor allem: Wie lässt sich erklären, dass die Tiere sich erst mit ca. 15cm in ein blau umfärben und vorher silbrig erscheinen und so theoretisch im Schwarzwasser viel besser zu sehen sind? Gerade in einem Stadium, in denen die Anzahl an Fressfeinden weitaus höher ist.


Würde ich nun noch eine Antwort auf die Frage suchen wollen, wieso es grünliche und blaue Tiere gibt, würde man wohl vor lauter Theorie gar keine Lösung mehr finden können ;-) . Aber eines ist unwahrscheinlich: Dass dies ein Hinweis auf das Geschlecht der Tiere ist.


Was am Ende bleibt sind viele offene Fragen, noch mehr Theorie und die Gefahr, dass juvenile Channa pleurophthalma einfach so ohne Grund sterben. Ich würde für eine erfolgreiche Aufzucht abwechslungsreiches Futter, mittelstarke Strömung, 27°C Wassertemperatur, weiches Wasser und einiges an Sauerstoff bieten. Solange man keine endgültigen Antworten auf den Lebensraum der Tiere hat (das wäre doch mal eine sehr interessante Reise wert!), kann man nur die bisher gewonnen Erkenntnisse umsetzen, von denen man weiß, dass sie eher förderlich als hinderlich für die Tiere sind!