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Monsterfisch oder Mythos?
...fragte ich mich vor einiger Zeit bereits im Raubfischforum. So sollte man dieses wichtige Thema auch hier auffrischen...
Oft höre ich Dinge wie: "Schau doch mal bei Fishbase nach, da steht dieser Fisch wird über 100cm". Mache ich mir dann ein Bild des Eintrages fällt mir meist immer die exakte Größe der Fische auf.
Fishbase geht in seiner Maximalgrößer immer von dem bisher größteem, bekannten, Individuum aus, welches dort aufgeführt wird.
Doch wie kann es sein, dass so viele Fische eine so exakte Größe aufwiesen?
War der bisher größte Brachyplatystoma juruense wirklich genau 60cm groß? (Link: [1]) oder der bisher größte Heterotis niloticus exakt 100cm? (Link: [2] )
Leider ist es aber viel zu selten so, dass die Angaben hinterfragt werden. Es wird sich oft auf gängige Größenangaben verlassen, die nicht nur durch viele Mergus Bände und andere aquaristische Nachschlagewerke getragen werden, sondern in diesem Beispiel auch bei Fishbase einen Platz finden. Aber wie kommen solche Angaben zustande? Denkt man einmal logisch über diese Frage nach, gibt es darauf auch ebenso nahe liegende Antworten...
Diese scheinbar auf den Millimeter (mind. aber jedoch Centimeter) genauen Endgrößen wurden einst von Erstbeschreibern oder von einem Importeur/Exporteur in den Raum geworfen. Vielleicht gaben auch Einheimische die Auskunft, dass sie einen „Riesenfisch“ gefangen haben, der sicherlich 100cm groß war! Vermutlich spielt hier das Auge und das menschliche Gehirn dem Angler einen Streich. Stellen wir uns folgende Situation vor: Man befindet sich auf einer Angeltour im tiefsten Afrika. Nichts ahnend wirft man seine Angel raus, um den nächsten Rekordfisch zu fangen. Plötzlich beißt ein Fisch an. Durch das enorme Reißen an der Angel denkt man direkt an einen Riesenfang. Nach einer Stunde Kampf hat man dann plötzlich einen großen Hydrocynus vittatus gefangen. Leider hat man gerade kein Maßband zur Hand und so wird geschätzt. Nun muss man nicht nur seine Erfahrungen aufgreifen, wie viel beispielsweise 50cm sind, man muss Vergleiche dafür finden. Vielleicht ein Regal von Zuhause, an das man sich erinnert welches etwa 50cm hoch ist. Aber der Fisch sieht um einiges größer aus - sicher doppelt so groß... So muss man nun auch in seine Berechnungen den Fisch, den man vor sich hat, mit einbeziehen. So ein Prachtexemplar ist sicher doppelt so groß: 100cm! Und beim nächsten Männertreff schindet so etwas doch direkt weitaus mehr Eindruck ;-). In diesem Moment kommt wohl kaum ein Mensch auf die exakte Länge. Es wird eine gerundete Zahl gewählt, welche nur auf das eigene Maßgefühl basiert. Alleine, wenn der Fisch seine Flossen aufrichten würde, wirkt er imposanter und für den Menschen vermutlich noch größer. Dahin hinein fließen die frischen Eindrücke, die man möglicherweise von diesem Rekordfang gerade eben bekommen hat. Und diese Emotionen können das Maßgefühl weiterhin trügen.
Ähnlich könnten so manche Größenangaben entstanden sein. Einheimische haben wohl, wenn sie auf Fischfang waren, erst recht kein Maßband dabei. Wissenschaftler bzw die Erstbeschreiber der Art können jedoch nicht in ihren kurzen Expeditionen (wenn es die überhaupt gab) all die möglichen Exemplare zu Gesicht bekommen, die Einheimische hätten sehen können. Dadurch sind selbstverständlich auch Schwankungen nach oben möglich, wie bei so manchem Bagarius vermutet. Von daher müssen sie einfach einen Anhaltspunkt in Sachen Endgröße finden.
- Im Gespräch mit Einheimischen, die wohl kaum ihre gesamte Fauna unterscheiden können? Und sich auf Legenden/Mythen stützen könnten?
- Im Gespräch mit Anglern, die selbst Ruhm ernten wollen?
- oder wird gar nur auf Hinblick verwandter Arten die Endgröße abgeschätzt?
Das unberechenbare Prinzip des Faktors Mensch tritt also wieder und wieder ein.
All diese Erklärungen basieren natürlich erst einmal auf Vermutungen, aber Fakt ist, dass es eine erdrückende Mehrzahl an Größenangaben gibt, die nicht zutreffen können.
Nicht nur, dass der menschliche Faktor diese Größe beeinflussen könnte ist eine mögliche Erklärung, auch Verwechslungen mit anderen Arten und Vermutungen der Urheber bzw Erstbeschreiber, die einfach eine Maximalgröße in kürzester Zeit finden mussten, sind eine mögliche Erklärung.
So kommen wir wieder zurück zu Fishbase. Diese Seite ist ein gutes Beispiel dafür, dass es solche falschen Größenangaben gibt, die womöglich völlig unbeabsichtigt entstanden sind und von Mensch zu Mensch, von Buch zu Buch weitergetragen wurden. Sei die Seite noch so seriös, auf was sollten sich ihre Angaben auch ansonsten stützen?
Aber wie groß wird Heterotis niloticus beispielsweise wirklich? Um so einer Frage auf den Grund zu gehen sind vor allem Bilder notwendig. Ohne bildliche Beweise kann man kaum eine Endgröße mit Wahrheitsgehalt bewerkstelligen. Aber soll man wirklich eine feste Größe nennen, die dieser Fisch erreichen kann? Dies ist eigentlich völliger Unsinn. Keine Tierart bleibt einfach bei einer bestimmten Größe in ihrem Wachstum stehen. Es ist daher unmöglich zu sagen, dass eine Art eine bestimmte Größe erreicht. Es gibt viele Faktoren, die diese weiterhin beeinflussen können. Man kann lediglich davon ausgehen, dass sie eine maximale Größe erreicht, die bildlich belegt worden ist und bisher kein Exemplar größeren Ausmaßes gefunden worden ist. Da dies bei Heterotis niloticus z.B. nicht so erfolgte, kann man die 100cm nur als eine Schätzung angeben und behaupten, H. niloticus wird um die 100cm groß. Dabei könnte es durchaus Tiere geben (auch in der freien Wildbahn), die nur 80cm erreichen aber auch Exemplare die vielleicht 130cm groß werden oder noch größer. Natürlich gibt es schon einen gewissen Größenspielraum, der wahrscheinlich zutreffend ist. Wenn ein Exemplar der selben Art 200cm erreicht und ein anderes bei 100cm stehen bleibt, muss man sich schon fragen, woran das liegen kann. Daher möchte ich hier keinen Apell für zu kleine Becken starten.
Um zum Schluss noch einmal direkten Bezug zu bestimmten Angaben zu nehmen, noch ein paar Fakten.
Hepsetus odoe (Link: [3] ) soll 70cm werden. Wieder eine offensichtlich nie gemessene Größe. Es existieren zudem keine Bilder von solch großen Exemplaren. Bei Fishbase wird ein Bild eines etwa 36,2cm großen Tieres gezeigt. Als Endgröße könnte man nun folgendes angeben: „Etwa 40cm“ - das haben wir im Wiki fast immer so gehandhabt bzw. handhaben können.
Gleiches gilt für Brachyplatystoma tigrinum (Link: [4]) Dieser wird mit 60cm angegeben. Wieder ein klarer Fall von fehlender Fakten und exakt durchgeführten Messungen. Es gibt Tiere, die fast 80cm groß waren . Um nun einen Kompromiss für die reale Endgröße zu finden, kann man entweder eine Spanne von 50-80cm angeben oder man sagt „etwa 70cm“.
Ein letztes Beispiel einer nun offensichtlich durchgeführten Messung ist der Astronotus ocellatus Eintrag (Link: [5]). Diese genaue Größe kann unmöglich mit dem Auge geschätzt worden sein. Zudem sind detailliertere Informationen zu Geschlecht und Gewicht vorhanden. Als Endgröße kann man hier z.B. angeben ca. 40cm. Denn die angegebene Größe muss das Tier nicht unbedingt über- oder unterbieten. Aber wir wissen hier nun ziemlich sicher, dass es ein Tier dieser Größe bereits gegeben hat!
Wichtig ist noch zu sagen, dass dies keine Kritik an Fishbase oder anderen großen Nachschlagewerken wie Mergus sein soll, sondern eine Überlegung zur besseren Einordnung der Endgrößen unserer Pfleglinge, um eine Pauschalisierung in der Größe zu vermeiden.
Zudem kann man es diesen seriösen Quellen nicht übel nehmen, wenn sie aus wissenschaftlichen Werken diese Größen übernommen haben.
Woher sollte man fundierte Angaben dazu auch sonst finden? ...
